Diabetiker-Experte - René Gräber
 

Ernährung bei Diabetes

Die epidemiologische Forschung zum Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit hat sich in den letzten Jahren besonders mit den "Volkskrankheiten" Diabetes mellitus und Krebs befasst und ist zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Die Wichtigkeit dieser Studien zeigt sich, wenn man berücksichtigt, dass im Jahre 2006 bereits sechs Millionen Deutsche an Diabetes mellitus Typ II erkrankt waren und sich diese Zahl wahrscheinlich bis 2013 verdoppeln wird.

In der Studie stellte sich ganz klar heraus, dass sich das Risiko, an einem Typ II Diabetes zu erkranken durch eine entsprechende Ernährung drastisch reduzieren lässt. So sinkt das Risiko um ca. 70%, wenn viel frisches Obst und Gemüse und im Gegenzug wenig helles Brot, Fleisch und Hülsenfrüchte verzehrt werden. Eine besondere Bedeutung kommt hier auch Getränke zu. Bierkonsum und der Konsum kalorienhaltiger Erfrischungsgetränke steigert die Gefahr einer Erkrankung.

Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Diabeteserkrankungen des Typen II wurde innerhalb der Studie unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildungsstand, Freizeitgestaltung, Raucherstatus, Energieaufnahme oder BMI eruiert.

Grundsätzlich zeigte sich bei einer unausgewogenen Ernährung mit der Aufnahme vieler glykämischer Last (stärkehaltige Wurzelgemüse, Weißmehlprodukte, Zucker, Kartoffeln) eine auffällige Erhöhung des Risikos, am sogenannten "metabolischen Syndrom" (Sammelbezeichnung für verschiedene Krankheiten und Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems) und damit auch an der Diabetes mellitus Typ II zu erkranken.

Durch eine ausgewogene Ernährung hingegen lässt sich das Risiko einer Erkrankung um geschätzte 25% bis 40% senken; diese Zahl wird im Übrigen auch mit einer medikamentösen Therapie erreicht. So kann zum Beispiel mit einer moderaten Reduktion des Gewichtes um 7% (über Sport bei 150 Minuten pro Woche und gleichzeitiger Ernährungsumstellung) eine wesentliche Senkung des Erkrankungsrisikos um ca. 60% erreicht werden.

Der Zusammenhang zwischen Gewicht und Erkrankungen an dem Diabetes Typ II ist unbestritten. Besonders die Gewichtszunahme im jungen Erwachsenenalter hängt in der Regel mit einer (späteren) Erkrankung zusammen. Ergebnissen der Studie zufolge wurde, ausgehend vom Normalgewicht, bei einer Gewichtszunahme von 2-3 kg im Alter zwischen 25 und 40 Jahren sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine Erhöhung des Diabetesrisiko von 25% festgestellt.

Je größer die Zunahme in diesem Altersfenster war, umso höher war auch das Erkrankungsrisiko. Fand die Zunahme erst später, im Alter von 40 bis 55 Jahren statt, erhöhte sich da Risiko "nur" um ca. 12%.

Länger ist bekannt, dass ein reichlicher Verzehr von Ballaststoffen aus Getreideprodukten das Diabetes II Risiko senken kann. Die Studie ergänzt dieser Erkenntnis dorthin gehend, dass nicht nur die Ernährungsgewohnheiten, sondern auch die genetische Veranlagung eine große Rolle beim Diabetes II Risiko spielen. Dennoch gilt weiterhin allgemein die Empfehlung, in ausreichendem Maße Vollkornprodukte zu verzehren.

Grundsätzlich haben die aktuellen Studien keine neuen Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Ernährung und dem Risiko einer Diabetes II Erkrankung erbracht. Einzig der Genetik wurde eine größere Rolle zugesprochen, als es bisher der Fall war.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 29.11.2012 aktualisiert