Diabetiker-Experte - René Gräber
 

Metformin: Antidiabetikum wirkt auf die Darmflora

Metformin senkt den Blutzucker beim Diabetes Typ 2. Auf welchem Wege die darin enthaltene Verbindung Biguanid wirkt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Jedoch vermuten Ärzte, dass Metformin vor allem die Freisetzung von Glukose aus der Leberstärke unterdrückt. Auch eine Verbesserung der Insulin-Wirkung steht in der Diskussion. Neuere Erkenntnisse deuten auf einen Effekt hin, der über die Darmflora wirkt. Das erklärt auch eine Nebenwirkung des Antidiabetikums, das Darmbeschwerden verursacht.

Genetische Untersuchungen der Darmflora bei fast 800 Patienten mit Diabetes Typ 2 belegen eindeutige Unterschiede zu Gesunden (DOI: 10.1038/nature15766). Die Zuckerkranken haben im Dünndarm stets einen Mangel an solchen Bakterien, die Propionsäure und Buttersäure produzieren. Der Darm resorbiert die Fettsäuren, die auch den Blutzucker senken sollen.

So könnte die Zusammensetzung der Mikrobioms im Darm auch für den Diabetes Typ 2 mit verantwortlich sein. Einige Wissenschaftler vermuten deswegen, dass Metformin das Ungleichgewicht der Darm-Symbionten wieder einreguliert. Nach anderer Meinung könnte der Wirkmechanismus des Medikaments dadurch zumindest unterstützt werden (http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65026).

Doch nicht alle Auswirkungen von Metformin auf das Mikrobiom sind positiv. So fördert das Medikament die Vermehrung des Bakteriums Escherichia coli. Dessen Tätigkeit führt zu Blähungen und Bauchschmerzen. Mediziner denken nun über eine Behandlung der Metformin-Konsumenten mit probiotischen Präparaten nach. Schwierig erscheint das deswegen, weil die Kulturen spezifisch die Coli-Bakterien reduzieren sollen, ohne die Produzenten der kurzkettigen Fettsäuren zu beeinträchtigen (https://idw-online.de/de/news651648).

Ein naheliegender Gedanke kam bei den Überlegungen noch nicht auf: Möglicherweise ist die Darmflora-Veränderung ja die Hauptwirkung des Metformins. Dann könnten spezielle probiotische Zubereitungen entwickelt werden, die den Diabetes Typ 2 direkt behandeln und nicht nur die Nebenwirkung des Antidiabetikums.

Das Beispiel zeigt erneut die Bedeutung unseres Darm-Mikrobioms, das in der Schulmedizin bisher nicht genügend gewürdigt wird.